Gefahr im Flugzeug

Männer, wenn ihr auf einem Flug der Air France oder British Airways künftig keinen Platz mehr bekommt, die Frau hinter euch in der Warteschlange aber sofort einen, dann wundert euch nicht.

Es könnte nämlich sein, dass im Flieger ein unbegleitetes Kind sitzt. Und neben einem solchen dürfen bei der Air France keine alleinreisenden Männer mehr sitzen. Aus Sicherheitsgründen.

Früher hätte man vielleicht gerade dann einen Mann daneben gesetzt. Falls der Balg zum Beispiel mit Geschirr wirft, oder (im unwahrscheinlichen Fall) einer Notlandung eine kräftige Hand benötigt wird, um das Kind aus dem Notausstieg in Sicherheit zu bringen. Vorbei. Männer werden für Kinder inzwischen eher als gefährlich, denn als nützlich angesehen.

Als kleiner Junge durfte ich sogar mal ins Cockpit im Flugzeug. Das war ganz schön aufregend. Auch das ist offenbar vorbei. Schließlich ist der Pilot ja im weiteren Sinne auch alleinreisend.

Der komische richtige Weg

Habe ich da irgendwas verpasst? Unter bundesregierung.de erscheint heute die folgende Meldung:

BUNDESMINISTERIUM FÜR FAMILIE, SENIOREN, FRAUEN UND JUGEND
Familienleben wird bunter

„Familienpolitik ist auf dem richtigen Weg“, hat Familienministerin von der Leyen aus einer Studie des Statistischen Bundesamtes geschlussfolgert. Denn: Bei gut der Hälfte aller Paare mit Kindern gehen beide Elternteile arbeiten. Viele Kinder leben in Familien ausländischer Herkunft. Der Anteil der Alleinerziehenden wächst ständig… 


Der Weg der Familienpolitik
Befremdliche Meldung auf bundesregierung.de

Also der richtige Weg. Schauen wir uns die Begründung genauer an:

  • In 50% aller Familien gehen beide Elternteile arbeiten. Welch ein Triumpf! Das heißt, der Benefit für die Kinder ist, dass sie kaum mit ihren Eltern zusammensein müssen. Statt dessen werden sie von Professionellen betreut.
  • Viele Kinder leben in ausländischen Familien. Will sagen, numerisch wird der eigentliche Nachwuchs von Ausländern produziert. Uschi von der Leine empfindet auch das als den richtigen Weg.
  • Der Anteil der Alleinerziehenden steigt ständig. Erstaunlich, dass dieser Fakt inzwischen als familienpolitischer Vorteil gesehen wird.

Als ich klein war, galt es noch als gut, Mutter und Vater zu haben. Das ist wohl überholt.

Kinderwahn

Als ich klein war, musste ich schon im zarten Alter von 4 1/2 jeden Tag über mehrere Kreuzungen alleine in den Kindergarten gehen. Später auf dem Schulweg in die erste Klasse hatte ich nicht nur mit meinem bleischweren Schulranzen zu kämpfen, sondern wurde auch von aggressiven Jugendlichen und einem klassischen Exhibitionisten mit Regenmantel und nix drunter heimgesucht. Einmal sprang mich sogar ein in meinen damalig kleinen Augen riesiger Boxer an.
Das ging anderen Kindern auf ihrem Schulweg ähnlich. Es gab damals viele Kinder.

Heute gibt es wenige Kinder. Heute werden die Jugendlichen teilweise noch im Alter von 14 von Eltern in die Schule gebracht und abgeholt. Heute haben die Kleinen einen Fahrradhelm auf, wenn sie auf dem Spielplatz von der Rutsche in den Zuckersand gleiten. Heute haben die Kinder für jede Altersgruppe eigene Autositze. Kinder bekommen Luxusgüter zugesteckt, die sie sich selbst frühestens nach mehrern Berufsjahren werden leisten können. Kinder sind Heiligtümer. Umso schlechter das Gewissen der Eltern ist (z.B. wg. Scheidung, ausufernder Berufstätigkeit oder weil sie sich die neueste Playstation nicht leisten können), umso stärker wird das Kind zur Gottheit erhoben.

Schließlich steigt auch die gesellschaftliche Repression auf die Eltern, wenn andere meinen, dem Zwerg sei nicht ausreichend gehuldigt worden oder durch kurze Abwesenheit der Eltern habe das Risiko eines Unfalls, einer Entführung oder eines anderen Unglücks bestanden.

helicopter parenting – auch dafür gibt es schon einen Begriff, wenn Eltern ihre Kinder auf Schritt und Tritt bis in deren hohes Alter überwachen. In der Süddeutschen Zeitung bezeichnet der amerikanische Pädagogikprofessor Richard Mullendore das dafür hilfreiche Handy als „längste Nabelschnur der Welt“.

Noch massiver als die Gluckenhaftigkeit der heutigen Eltern ist aber die Darstellung von Kinderschicksalen, -unglücken oder -missbrauch. Jeder durchschnittliche Moderator oder Schauspieler reist heutzutage nach Afrika, um sich umringt von süßesten schwarzen Kindern fotografieren zu lassen und dann eine Aktion für irgendwelche Kinder zu starten. Auf einem Straßenfest hier um die Ecke wurden letzte Woche Luftballons mit der Aufschrift „Jesus liebt Kinder“ verteilt. Was will uns das sagen? Liebt Jesus nur Kinder oder auch andere Menschen? Wie kann diese Form der Liebe verstanden werden in Zeiten, in denen hinter jeder Ecke ein Pädophiler vermutet wird, in der die Erwachsenen sich untereinander nicht mehr vertrauen, positiv auf Kinder einzuwirken?

Wenn der moralische Anspruch an Eltern so überzogen wird, wenn Kinder mit ihren Eltern machen können, was sie wollen, und diese sich nicht mehr wehren können, ohne die staatliche Repression zu erleben, können Erwartungsdruck und die Last der Aufgabe bestimmt auch dazu führen, dass Kinder in Babyklappen landen – oder im Extremfall auch in Blumenkästen.

Macht Vandalismus wirklich nicht glücklich?

Seit einigen Wochen läuft immer und immer wieder auf den Monitoren in der U-Bahn ein Clip der BVG, der sich gegen Vandalismus richten soll. Darin verwüsten die Eltern eines vermutlich zerstörungswilligen Jugendlichen dessen Zimmer, fackeln seinen iPod ab, zerkratzen seine Glotze und beschmieren seine Wände. Am Ende kommt auf dem Display der Spruch „Vandalismus bringt nichts. Schon gar nicht Fame.“

Erschreckend ist nur eine Szene in dem Clip. Nachdem die Eltern alles zerstört haben, jubeln sie und freuen sich. Warum? Wenn doch Vandalismus nichts bringt. Keinen Fun, kein Fame…

Eltern jubeln nach der ZerstöungJubel nach Zerstörung

BVG-Videoclip zum Thema Vandalismus