Feldpost 6: Zehn Tage unterwegs

Die Feldpostbriefe des Martin Wilhelm Schumacher
von der Ostfront an seine Frau und Tochter.

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Martin Wilhelm Schumacher (1906-1944)
Martin Wilhelm Schumacher (1906-1944)
O.U, den 24.5.44

Liebe Anni und Monika!

Schon 10 Tage unterwegs und noch immer nicht an Ort und Stelle. In 24 Stunden hoffe ich aber dort zu sein. Die Fahrt war ja sehr reizvoll aber mit Interesse hat man sich die Landschaft nicht beschaut, denn man fährt ja ins Ungewisse. Ich sehe sehr schwarz und in ein paar Tagen werde ich wohl im Graben hängen. Den Abschied habe ich noch immer nicht überwunden und immer noch höre ich Monileins Stimmchen, und dann die Gedanken an dich, ob du auch lieb bist. Liebe Anni, du kannst dir nicht vorstellen mit welchen Gefühlen ich fortgefahren bin und das Leben scheint einem manchmal gar nicht mehr lebenswert. Dann denke ich aber daran, daß du mir versprochen hast lieb zu sein und denke daran, daß jede Schuld sich noch auf Erden rächen wird. Bald kann ich meine Feldp.Nr. meitteilen. Tausend liebe Grüsse und Küsse von Eurem unglücklichen Pappi.
Sind die Päckchen angekommen?
an Monika: ooooooooo

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Feldpost 5: Als Neuling in die Scheiße

Die Feldpostbriefe des Martin Wilhelm Schumacher
von der Ostfront an seine Frau und Tochter.

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Martin Wilhelm Schumacher (1906-1944)
Martin Wilhelm Schumacher (1906-1944)
Wien, den 21.5.44

Liebe Anni u. Monilein!

Jetzt wirst du staunen. Ich bin wieder in Wien gelandet, jawohl in Wien, aber nur um von hier aus weitergeleitet zu werden. Ich bin einer anderen Division zugeteilt und komme nach Rumänien. Die Einheit befindet sich im Einsatz. Nun komme ich wieder in die Scheisse rein. Es passt mir gar nicht, dann wenn man als Neuling zu einer Einheit kommt wird man überall da reingesteckt wo es brenzlich ist. Wollen wir weiter an meinen guten Stern glauben und hoffen, daß doch noch alles gut wird. Lebt wohl und vergesst mich nicht. Tausend Grüsse und Küsse von Eurem Pappi
Für Monika: 00000000
Auch von hier geht ein Päckchen mit süssen Grüssen ab. Bleibt lieb! Ja!?

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Feldpost 4: Die Ungewissheit

Die Feldpostbriefe des Martin Wilhelm Schumacher
von der Ostfront an seine Frau und Tochter.

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Martin Wilhelm Schumacher (1906-1944)
Martin Wilhelm Schumacher (1906-1944)
Jaroslau, den 19.5.44

Liebe Anni u. Monilein!

Wieder sitze ich in dem Soldatenheim aus dem ich meinen letzten Brief schrieb. Gleich geht es weiter nach Przemysl zu einer Frontleistelle und dort wird sich entscheiden was mit mir passiert. Noch ein paar Stunden und dieses Ungewisse ist auch überstanden. Bei mir habe ich noch 3 junge Kerls die ich mitnehmen muss. Die Kameraden bei der ben. Komp. waren sehr nett und haben mir beim Abschied Rauchwaren mitgegeben. Ebenfalls zwei kleine Päckchen mit Süssigkeiten die aber für Monilein schon unterwegs sind. Sobald ich nun endgültig Bescheid weiss gebe ich sofort Nachricht. Wie mag die Nachricht ausfallen? Tausend liebe Grüsse und Küsse von Eurem Pappi

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Feldpost 3: Im Soldatenheim

Die Feldpostbriefe des Martin Wilhelm Schumacher
von der Ostfront an seine Frau und Tochter.

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Martin Wilhelm Schumacher (1906-1944)
Martin Wilhelm Schumacher (1906-1944)
Jaroslau, den 17.5.44

Liebe Anni u. Monilein!
Es ist jetzt 3 Uhr und Monilein wird noch nicht lange wach sein. Ich sitze hier in einem Soldatenheim, da ich morgen früh erst weiterfahren kann. Morgen Mittag werde ich an Ort und Stelle sein, und dann wird sich ja entscheiden, was mit mir geschieht. Hier am Ort ist ein Kino und hoffentlich bekomme ich eine Karte, damit ich mal eine Abwechslung habe und meine Gedanken abgelenkt werden, denn dieselben sind dauernd bei Euch, teils gut teils böse. Ich weiß nicht was mit mir los ist und komme mir so lächerlich vor.
Was macht Monilein? Hat sie auch mal nach dem Pappi gefragt. Wäre doch der Krieg vorbei und wir alle wieder glücklich zusammen. Bleibt lieb und vergesst Euren Pappi nicht. Tausend liebe Grüsse und Küsse von Eurem Pappi.

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Feldpost 2: Abfahrt aus Wien

Die Feldpostbriefe des Martin Wilhelm Schumacher
von der Ostfront an seine Frau und Tochter.

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Martin Wilhelm Schumacher (1906-1944)
Martin Wilhelm Schumacher (1906-1944)
Wien, den 16.5.44

Liebe Anni u. Moni!

Noch eine halbe Stunde und es geht weiter. Da ich ja nicht weiß, wann ich wieder schreiben kann, will ich mich schnell noch ein bisschen mit Euch unterhalten. Bis eben habe ich in einem Kaffee gesessen und mir ungarische Musik angehört. Aber diese schwermütigen Weisen habene mich alles andere als aufgemuntert und so werde ich noch immer mit trüben Gedanken weiterfahren. An dich nochmals die Bitte und Mahnung: Sei lieb! Denke doch immer an unseren Sonnenschein.
Lebt wohl und wieder tausend liebe Grüsse und Küsse von Eurem Pappi

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Feldpost 1: Abschied von Frau und Kind

Die Feldpostbriefe des Martin Wilhelm Schumacher
von der Ostfront an seine Frau und Tochter.

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Martin Wilhelm Schumacher (1906-1944)
Martin Wilhelm Schumacher (1906-1944)
Wien, den 16.5.44

Liebe Anni u. Moni!

Schwer sind mir die letzten Stunden gefallen die ich noch bei Euch sein durfte. Gingen mir doch so viele Gedanken im Kopf rum. Immernoch habe ich eure lieben Gesichter vor mir und immernoch klingt das Stimmchen von unserem Stropp### in meinen Ohren. „Auf Wiedersehen“ höre ich noch immer. Ich werden noch lange an die schönen Tage, wenn auch mit bitterem Beigeschmack, zurückdenken. Kannst du dir meine Stimmung vorstellen? Ich finde mich einfach nicht mehr zurecht und komme mir vor wie einer dem man etwas Liebes genommen hat. Hoffentlich komme ich drüber weg. Eigentlich müsste ich schon heute morgen um 9.30 fahren, nun habe ich mir aber bescheinigen lassen, daß ich erst heute abend kurz vor 23 Uhr fahre. Dadurch hatte ich Gelegenheit mir Wien anzuschauen. Darüber im nächsten Brief mehr. Anni bleibe lieb, du hast mich empfindlich getroffen. Trotzdem tausend liebe Grüße und Küsse von Eurem unglücklichen Pappi.
Extra für Monilein oooooooooooooooo

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