Feldpost 24: Höllisch aufpassen

Die Feldpostbriefe des Martin Wilhelm Schumacher
von der Ostfront an seine Frau und Tochter.

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Martin Wilhelm Schumacher (1906-1944)
Martin Wilhelm Schumacher (1906-1944)
Im Osten, den 7.8.44

Liebe Anni u. Moni!

Gestern deinen Brief vom 15.7. und wieder ein Päckchen erhalten, enthaltend Pyramidan, 6 Rasierklingen, Feuersteine u. Zigaretten und noch Zigarettenpapier. Besten Dank dafür. Nur musst du die Päckchen etwas besser verpacken, am besten noch etwas Papier drum tun, denn dein Päckchen ist schon im „Feldpostpäckchenlazarett“ Wien neu verpackt worden. Dein Brief ist auch bedeutend länger gelaufen, denn deinen Brief vom 20/21. habe ich schon bestätigt. Lachen musste ich über Po und Bäuchlein, die dem Pappi gehören sollen. Ich konnte mir ganz gut deine Hänselei vorstellen und freuen würde ich mich, wenn der Str### mich nicht vergessen würde. Nun bist du also wieder allein und kann ich mir denken, daß dir dieses Alleinsein zuerst wieder schwer gefallen ist. Wenn die augenblicklich feindliche Fliegertätigkeit wieder so stark ist, dann fahre nicht nach Köln, denn diese Verantwortung kannst du nicht auf dich nehmen. Und wenn alles zum Teufel geht, die Hauptsache bleibt das Leben. Daß du Rudi mit deiner Raucherkarte ausgeholfen hast kann ich als starker Raucher verstehen aber hoffentlich wird das Rücksenden der Karte nicht vergessen.
Jetzt habe ich mich schon an die Kampfhandlungen bei Tag und Nacht gewöhnt, aber vor Überraschungen ist man nie sicher. Darüber viel zu schreiben hat ja keinen Zweck und würdest du dir nur noch mehr Gedanken machen. Man muß hier nur höllisch aufpassen und darf nie leichtsinnig werden und davor bewahren mich immer deine Briefe. Deshalb schreibe bitte oft.
In ein paar Stunden werden meine Blicke wieder zu unserem Sternbild gehen.
Nun seid für heute wieder tausendmal lieb gegrüsst und geküsst von eurem Pappi.
An Monilein süsse oooooooooooo
Schicke mir bitte ein Stückchen Rasierseife

Nächster Brief: Pappi Rußland bum, bum