Feldpost 15: Im Zelt

Die Feldpostbriefe des Martin Wilhelm Schumacher
von der Ostfront an seine Frau und Tochter.

Mehr über diese Briefe…

Martin Wilhelm Schumacher (1906-1944)
Martin Wilhelm Schumacher (1906-1944)
O.U, den 2. Juli 44

Liebe Anni u. Monilein!

Sonntagnachmittag und es regnet in Strömen. Ich liege im Zelt und versuche mal auf dem Bauch mal auf dem Rücken diesen Brief fertigzukriegen. Wenn vier Mann in einem kleinen Erdloch liegen bleibt nicht viel Platz zum schreiben. Habe wieder eine anstrengende Woche hinter mir und bleibt einem nur der Sonntag um seine Sachen in Ordnung zu bringen und seinen Liebsten zu schreiben. Das Regenwetter lässt heute keine „grosse Wäsche“ zu und muss ich deshalb mit den Sachen eine Woche länger rumlaufen. Habe eben wieder meine Strümpfe gestopft, damit die Füsse heil bleiben. Nun bin ich noch immer hier und ab Montag soll ich das, was man mir eingetrichtert hat, anderen eintrichtern, und zwar so lange bis auch meine Stunde zum Einsatz schlägt. Wenige Lehrgangsteilnehmer sind noch hier, die anderen sind alle schon im Graben. Wie lange mag es bei mir noch dauern?. Nun habe ich mich damit abgefunden, daß einmal doch die Stunde schlagen wird aber ich werde dann mit ganz anderen Gefühlen rausgehen. Haben mir doch deine Briefe wieder Mut gegeben allen Gefahren ins Auge zu schauen und habe ich den festen Willen Euch wiederzusehne, damit wir noch lange Jahre ein recht glückliches Familienleben führen können. Mein guter Stern wird mich hoffentlich nicht verlassen. Dein lieber Brief vom 18.6. hat mich Anfang der Woche erreicht aber zum Wochenende habe ich leider keinen bekommen. Nun hast du dich also in der „Bühnen-Wohnung“ schon eingelebt und die Langeweile tritt an dich heran. Ich sagte dir bei meinem Dortsein dass wenn du Langeweile verspürst zum Federhalter greifen sollst um mir die Tagesereignisse zu schildern. Monika wird doch sicher jeden Tag neue Einfälle haben. Dadurch nehme ich an Eurem Leben teil und nichts würde ich versäumen. Wenn du diese Tagesberichte alle paar Tage abschließen würdest um mir dann zuzuschicken, bekäme ich laufend Post und darauf freue ich mich ja so sehr. Was sind das denn für Dinge die dich unglücklich stimmen? Kümmere dich nicht zu viel um die Menschen dort, sondern lebe dein eigenes Leben. Noch 14 Tage und ich bin schon wieder 2 Monate von Euch fort. An manchen Tagen habe ich ein so grosses Heimweh nach Euch, daß ich am liebsten fortlaufen möchte. Aber auch dieses Weh muss ich unterdrücken und hat man nur den einen Wunsch das Kriegsende gesund zu erleben. Vielleicht kommt heute abend noch ein Brief von dir. Dann wäre ich ja schon wieder zufrieden. Ist unser Familienbild noch nicht fertig. Hoffentlich kannst du alles lesen. Mein Kreuz ist ganz steif und draussen prasselt der Regen auf das Zelt. Ich sage Euch gute Nacht und gebe Euch in Gedanken viele liebe Küsschen. Euer Pappi
An Monika süsse ooooooooooooooooooooo

Nächster Brief: Ein Tag Innendienst