Gefahr im Flugzeug

17. August 2009 um 17:19 Uhr

Männer, wenn ihr auf einem Flug der Air France oder British Airways künftig keinen Platz mehr bekommt, die Frau hinter euch in der Warteschlange aber sofort einen, dann wundert euch nicht.

Es könnte nämlich sein, dass im Flieger ein unbegleitetes Kind sitzt. Und neben einem solchen dürfen bei der Air France keine alleinreisenden Männer mehr sitzen. Aus Sicherheitsgründen.

Früher hätte man vielleicht gerade dann einen Mann daneben gesetzt. Falls der Balg zum Beispiel mit Geschirr wirft, oder (im unwahrscheinlichen Fall) einer Notlandung eine kräftige Hand benötigt wird, um das Kind aus dem Notausstieg in Sicherheit zu bringen. Vorbei. Männer werden für Kinder inzwischen eher als gefährlich, denn als nützlich angesehen.

Als kleiner Junge durfte ich sogar mal ins Cockpit im Flugzeug. Das war ganz schön aufregend. Auch das ist offenbar vorbei. Schließlich ist der Pilot ja im weiteren Sinne auch alleinreisend.

Die Birne von der Bernauer Straße

26. Dezember 2008 um 14:40 Uhr
Die Birne vom U-Bahnhof Bernauer Straße

Die Birne vom U-Bahnhof Bernauer Straße

Die Birne hing schon da, bevor ihre Produktion unlängst von der EU verboten wurde. Wie eine Mahnung. Stiller leuchtender Protest. Keiner weiß warum. Ist halt Kunst. Und sieht sogar gut aus. Heimelig und warm. Tschüs liebe Birne. Dein Zug ist abgefahren.

Der Papst und das Gender

25. Dezember 2008 um 22:47 Uhr

Der Papst mag das anders sehen, aber faktisch gibt es zu viele Menschen auf der Welt. Die Ressourcen werden knapp, immer mehr haben kein Wasser, Essen oder keinen Wohnraum. Andere Lebensformen verschwinden, weil der Mensch sich immer weiter ausbreitet.

Was also tun? Krieg? Ausrottung der in den Augen der jeweils Stärkeren Minderwertigen? Mord, Totschlag? Hatten wir in der Historie eigentlich schon zur Genüge. Tut weh. Schafft Leid. Wollen wir nicht.

Die friedlichste Art Menschen zu reduzieren auf diesem kleinen überbevölkerten Planet besteht darin, keine neuen zu produzieren. Das machen uns die Schwulen und Lesben vor. Vielleicht gibt es gar einen Zusammenhang zwischen Bevölkerungsdichte und der Häufigkeit, mit der sich Männer oder Frauen sexuell dem gleichen Geschlecht zugeneigt fühlen. Das hören die Schwulen nicht gerne. Könnte aber trotzdem sein.

Letztens lief ich über die Motzstraße, vor mir ging ein kleiner Junge mit einem GEW-Luftballon in der Hand, auf dem stand: “Cool, mein Lehrer ist schwul”. Ich dachte mir in dem Moment, dass ich wohl uncool bin.

Jetzt hat sich Papst Benedikt mit der Genderideologie befasst. Und heftige Kritik von allen Seiten, besonders den Schwulen geerntet. Spontan fragte ich mich, was wohl die Gender-Theorie mit Schwulsein zu tun haben könnte. Schließlich soll jeder leben nach seinen Wünschen, sofern er nicht übergriffig ist wie die Gender-Mainstreamerinnen, die fordern, Männer dürften nur noch häkeln und ausschließlich auf ausdrücklichen Wunsch der Frau einen Dübel in die Wand bohren – aber nur, wenn die keine Zeit hat, denn das Bohren eines Loches in eine Wand ist ja ein massiv zu ächtendes Geschlechterstereotyp. Wenn der Mann das dann auf Wunsch trotz des Stereotyps macht, dann ist das “positive Diskriminierung”, gegen die die Gendermainstreamerinnen nicht wirklich etwas haben. Vielleicht sollte man da mal Fieber messen.

folo setzt sich seit Jahren gegen den Gender-Irrsinn ein, gegen die verkniffenen Frauen, die ihre kleinen Töchter mit Bob dem Baumeister quälen, obwohl sich diese nichts inniger wünschen als eine Barbie-Puppe mit Kleidchen, Schminke, Handtäschchen und allen verfügbaren Rollenklischees. Kriegen sie aber nicht.

Aber was hat das mit den Schwulen zu tun? Die Rollenzuteilungen sind bei den Schwulen derart klischeeartig, dass das bei keiner Gleichstellungsbeauftragten dieser Welt durchgehen würde.

Und natürlich gibt es Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Hormonell, im Körperbau, die einen können Kinder gebähren und konnten die lange Zeit nur machen, wenn die anderen auch ihren Teil leisteten.

Der Wahnsinn, aus Frauen Männer und aus Männern Frauen machen zu wollen, gehört verboten. Weil niemand ein Recht hat, dem anderen geschlechtlich reinzureden. Und wenn einer schwul ist, dann ist das seine Freiheit. Genauso wie die aufgestrapste Blondine keine Reifen wechseln braucht, darf auch nicht der jugendliche Bodybuilder zum Häkeln gezwungen werden. Eine Hure soll eine sein, wenn sie das will. Und der Papst – der muss auch nicht während seines irdischen Lebens das Geschlechtsteil in einen Menschen stecken. Da reden wir ihm ja auch nicht rein.

“Heil Hitler” im Blätterwald

23. Dezember 2008 um 14:24 Uhr
"Heil Hitler" verbreitete die Polizei

"Heil Hitler" verbreitete die Polizei

Offenbar rief jemand in der Nacht zu Freitag in Wedding “Heil Hitler”. Zeugen hörten das und riefen dann auch – allerdings die Polizei. Die Polizei hat am Morgen danach “Heil Hitler” geschrieben – in ihrer Pressemeldung. Das sah die Berliner Morgenpost und textete unverzüglich ebenfalls “Heil Hitler”. DIE WELT schrieb dann auch gleich “Heil Hitler” hinterher, wie auch die Berliner Zeitung. Sogar bei Flensburg Online wurde gemeldet, dass in Berlin “Heil Hitler” gerufen wurde. Nämlich in Wedding. Nachts.

Jetzt ermittelt der Staatsschutz. Aber nur in Wedding. Nicht bei denen, die überall hin “Heil Hitler” geschrieben haben.

Deutsche Lichtgestalten

10. Dezember 2008 um 21:17 Uhr

Wie umweltbewusst sind die Deutschen? Immer wieder forscht das Bundesumweltministerium nach dieser Frage. Ob nun in der Woche, in der nachts alle Lichter abgeschaltet werden, um ein Zeichen gegen den CO2-Ausstoß zu setzen, oder in der Woche, in der Tag und Nacht alle Bauwerke mit starken bunten Strahlern angeleuchtet werden unter dem Motto “Festival of Lights – Berlin leuchtet“.

“Der Erhalt natürlicher Lebensräume ist aus Sicht von über 90% der Befragten nicht nur für die Natur, sondern auch für den Menschen lebenswichtig”, heißt es in der gerade veröffentlichten Studie “Umweltbewusstsein in Deutschland 2008″. Wer hätte das gedacht? Umwelt ist klasse und wichtig, sagen viele Bürger, wenn das Bundesumweltministerium sie fragt. Und ja, Merkels Vostoß, innerhalb der nächsten 500 Jahre den CO2-Ausstoß zu halbieren, finden die meisten sicher auch riesig. Gutmenschliches Nicken hier und dort. Mit beruhigtem Gewissen wird die Energiesparlampe angeschaltet und entfaltet nur ganz zaghaft und gemächlich ihre schädliche Helligkeit.

Diese Lampen sondern nicht nur Hautkrebs verursachendes und Stress erzeugendes Licht und Elektrosmog ab, sie halten auch viel kürzer und verbrauchen mehr Strom, als von den Herstellern versprochen wird. Diese Lampen müssen unter massivem CO2-Ausstoß mit dem Auto in weit entfernte Recyclinghöfe gefahren werden, weil sie zu giftig sind, um mit dem Hausmüll entsorgt zu werden. In Unmengen von Wald vernichtenden ganzenseitigen Anzeigen in Illustrierten und Tageszeitungen wird darauf hingewiesen.

Auch soll man diese Lampen nicht immer an und ausschalten, wenn man kurz ins Bad will. Das verbraucht dann viel mehr Strom, als sie an zu lassen. Anders bei der verbotenen Glühbirne. Die verbraucht gleichmäßig Strom ist sofort hell. Wer also bei Gutmenschen zu Besuch ist und auf die Toilette muss, sollte vorher abfragen, welche Lampenart dort installiert ist. Sind es Energiesparlampen, bleibt das Licht nach dem kurzen Toilettengang an, sind es böse Glühbirnen, muss natürlich so schnell wie möglich wieder der Lichtschalter betätigt werden. Früher sind Ehen daran zugrunde gegangen, wie Zahnpastatuben ausgedrückt wurden, künftig wird es das Lichtschalterbedienverhalten sein, das für Zerrüttung sorgen wird.

Trotzdem gibt nur 1 Prozent der Befragten in der Studie des Ministeriums an, für sie komme ein Ersatz von Glühlampen durch Energiesparlampen nicht in Frage. Zum Vergleich: Für 12 Prozent kommt eine Kraftstoff sparende Fahrweise mit dem Auto nicht in Frage. Und für sogar 31 Prozent kommt der Bezug von Ökostrom nicht in Frage. Konsequenterweise schreibt Sigmar Gabriel in der Einleitung zur Studie kurz vor dem Wahljahr 2009: “Die vorliegende Studie zeigt uns: Das Umweltbewusstsein der Deutschen bleibt auf seinem hohen Niveau.” Fragt sich nur, im Vergleich zu was.

Schnorrer als Chance

6. Dezember 2008 um 21:25 Uhr

Die Großen, Fetten und Reichen kommen schnorren. Die Banken, weil sie sich verzockt haben, die Automobilhersteller, weil sie keine zeitgemäßen, umweltschonenden und attraktiven Fahrzeuge entwickelt haben. Bald auch die Pharmaindustrie, die Energieversorger, Medienunternehmen. Alle wollen sie etwas von der Steuer-Kohle abhaben. Wenn die anderen Milliarden bekommen, warum dann nicht auch sie?

Und ebenso stereotyp drohen sie mit dem Abbau von Arbeitsplätzen. Diese Form der Erpressung hat schon einen sehr langen Bart. Jeder weiß, die Leute werden im Zweifel früher oder später trotzdem rausgeschmissen, wenn die vom Unternehmen hergestellten Produkte eben unattraktiv und anachronistisch sind.

Warum also sollen die Steuergelder den sog. Managern einfach auf die Cayman Islands überwiesen werden? Es gibt keinen objektiven Grund.

Wenn wir keine Milliarden bekommen, greifen wir die Ersparnisse von Tante Emma ab, mögen manche Banker planen. Und wir bauen die nächste Fabrik in Bangladesch, drohen womöglich die Autobauer. Pharmaproduzenten testen ihre neuen Mittel an Menschen in der Dritten Welt. Energieversorger verzichten auf die Wartung ihrer Atommeiler. Ob nun mit oder ohne Steuerkohle.

Was also, wenn der Staat den Drohenden die kalte Schulter zeigt? Wie bei den Entführern der Lufthansa-Maschine in Mogadischu seinerzeit im heißen Herbst. Was, wenn der Staat auf den Victory-Gruß von Ackermann reagiert wie auf den der überlebenden Flugzeug-Terroristin? Nämlich einfach gar nicht.

Ein Szenario für die Automobil-Schnorrer: Die gewünschten Milliarden werden nicht auf die Manager-Konten überwiesen. Statt dessen werden in allen urbanen Zentren des Landes kostenfreie Volksfahrräder zur Verfügung gestellt. Öffentliche Verkehrsmittel werden komplett subventioniert. Jeder Bürger ist dann mobil. Der CO2-Ausstoß reduziert sich massiv, die Abhängigkeit vom Erdöl sinkt gewaltig, die ungehemmte Verschwendung der Ressourcen durch Individualverkehr wird beseitigt. Sogar jede entsprechend begründete Taxi-Fahrt könnte staatlich gefördert werden. Und bei all dem bleibt nachher sogar noch Geld übrig. Eine Win-Win-Win-Win-Situation. Mehr Win geht wirklich nicht.

Denn nichts ist so unzeitgemäß wie Individualverkehr in großen Karossen und großen Städten? Feinstaub, Unfalltote, Knöllchen, auch das wäre alles schlagartig Vergangenheit.

Warnhinweis 1.0

1. November 2008 um 17:23 Uhr
Bester Unfallschutz

Dank diesem Schild bin ich nicht gegen einen Baum gelaufen

ICE – Nur fliegen ist fieser

19. Oktober 2008 um 16:50 Uhr

Mit über fast 300 Sachen rasen sie durch die hübsche deutsche Landschaft. Mal ist eine Achse porös, ein Radlager defekt, oder vielleicht steht auch nur eine Badewanne aus Email auf den Schienen, die irgendwelche Schwachmaten dort abgestellt haben. Der Bremsweg ist ewig lang, eine Kollision verheerender als ein Flugzeugabsturz.

Drinnen die Fahrgäste. Sie können keine Fenster öffnen, bei einem Kreislaufkollaps oder Herzinfarkt steht keine Liege zur Verfügung. Bei einem Zugdefekt auf offener Strecke bleiben sie über Stunden eingesperrt. Wenn sie Glück haben, funktioniert dann die Klimanlage noch.

Früher war das anders. Da dauerte eine Zugfahrt oft mehr als doppelt so lange. Die Landschaft schoss nicht, sondern sie glitt vorbei. Ab und zu mal das Fenster öffnen, im Sommer die Nase in den Fahrtwind halten. Bahnfahren war gemütlich und entspannt. Stundenlang durch Wälder, Wiesen, durch Städte und an Feldern entlang. Ein gutes Buch, etwas zum Naschen, oft gab es auch anregende Gespräche mit anderen Fahrgästen im Abteil.

Vorbei all das. Großräume, in denen die Menschen hintereinander sitzen, fast so eng wie im Flugzeug. Getönte Scheiben, versiegelte Wagen, in denen die Belüftung alle Bakterien zu Allgemeingut macht.

Und plötzlich wird bekannt, dass viele der horizontalen Raketen technische Probleme haben und das Leben der Passagiere oft an einer seidenen Zugachse hängt. Also werden die Achsen gecheckt. Jede. Und ganz gründlich. Dazu müssen viele der versiegelten Hochgeschwindigkeitsblechdosen runter von der Piste zur Inspektion.

Die Fahrgäste haben plötzlich nur noch Stehplätze. Die Luft wird immer dicker, die Nerven immer dünner. Wie in einem Viehwaggon eng an eng eingepfercht rasen sie jetzt durch die schönen deutschen Lande. Bloß mit dem Unterschied, dass Tiere auf der Fahrt Frischluft bekommen. Sonst wäre es ja auch Tierquälerei.

Männer raus aus Prenzlberg!

19. Oktober 2008 um 11:44 Uhr

Es ist die geheime Republik der alleinerziehenden Mütter, die nebeneinander ihre Kinderwägen über den Bürgerinnensteig pressen wie Panzer. Sie haben ihr Einzelkind kurz vor ihrem 40. Geburtstag auf die Welt gedrückt. Jetzt ist es das Heiligtum. Mit Acht-Punkt-Gurten wird es im Kindersitz des CO2-spendenden Geländewagens fixiert. Es bekommt jeden Krempel, den diese Welt für Eltern anbietet, die damit ihr schlechtes Gewissen abbezahlen, weil die Kleinen keinen Pappi haben.

Auf einen Baum klettern? Das geht in Prenzlauer Berg nicht, viel zu gefährlich. Mit anderen Jungs raufen? Nein, bitte keine Gewalt! Fast bis zur Volljährigkeit werden die Jugendlichen von Mutti zur Schule gebracht und wieder abgeholt. Dann kann sicher nichts passieren. Außer vielleicht, dass sich das Kind vor ein Auto wirft oder den Goldenen Schuss setzt, weil es unter dem Übergewicht des mütterlichen Gluckentums seelisch zermalmt wird.

Neuerdings herrscht Aufruhr in der Single-Mütter-Republik. Eine ganze Seite widmet die Berliner Morgenpost dieser Angst. Denn rechts und links der Prenzlauer Allee wurden Kinder belästigt. Von Männern. Wohl von verschiedenen, denn die Beschreibungen unterscheiden sich sehr stark. Aber in jedem Fall von Männern, da sind sich alle sicher. Die Mütter sind wachsam – ganz besonders wachsam. Es werden Schilder aufgehängt: “Warnung an alle, die unseren Kindern zu nahe kommen!”

Laut Morgenpost hat zum Beispiel Iris R. vor ein paar Tagen am Rande des Spielplatzes auf dem Kollwitzplatz einen Mann stehen sehen. “Er hatte offensichtlich kein eigenes Kind dabei”, wird sie zitiert. Dann war er ganz plötzlich verschwunden. Alle Achtung! Ein Mann ohne eigenes Kind am Rande eines Spielplatzes. Er hätte vielleicht besser einen Umweg genommen auf dem Weg ins Frühstückscafe zu seinem Bekannten. Vermutlich nur knapp ist er einer vorläufigen Verhaftung entgangen. Gelyncht wird ja noch nicht. Wie kommt er auch dazu, als Mann ohne Kind in der Nähe eines Spielplatzes zu stehen!

Eine Mutter beschreibt der Reporterin, wie sie ihrem zehnjährigen Sohn untersagt hat, mit Freunden Fußball zu spielen oder sich auf dem Bauspielplatz zu treffen. Der Junge muss es sich jetzt als Couch-Potato vor dem Trivial-TV gemütlich machen. Früher hieß das Stubenarrest. Aber es ist ja nur zu seinem Besten, wenn da draußen alles voll ist von verschiedenen pädophilen Männern.

Was Iris R. und die Morgenpost-Reporterin nicht bedacht haben: Warum kann ein Mann, der Kindern nachstellt, eigentlich nicht auch selbst ein Kind haben? Und wenn dem doch so sein könnte, dann sind die Kinder nicht mal in der Schule, dem Kindergarten, auf dem Spielplatz sicher. Denn der Pädophile könnte ja im Schutze seines eigenen Kindes ganz nahe kommen.

Also bleibt nur eine Lösung: Um wirklich sicher zu gehen, müssen Männer ab 16 Jahren raus aus Prenzlberg. Dann ist wieder Friede, Sicherheit, Beruhigung. Kinder können unbeschwert zur Schule oder in den Kindergarten flanieren, lachen, sich mit Blättern bewerfen, ohne dass ein Mann in Sicht sein könnte. Und wenn sie doch mal einen sehen, dann schreien sie sofort um Hilfe. Der wird dann gleich abtransportiert.

Wie die Finanzkrise einen Tapetentisch vor der Sparkasse trifft

17. Oktober 2008 um 16:10 Uhr

“Finanzkrise – Wir haben das Patentrezept” Mit solchen und ähnlichen handgemalten Plakaten stehen vier junge Frauen vor meiner Sparkassen-Filiale. Auf einem Tapetentisch liegen Bücher, Broschüren, Zeitungen. Da ist vom “neuen Bretton-Woods” die Rede, immer wieder fällt der Name LaRouche.

Eine junge Frau redet ohne Punkt und Komma auf mich ein. Ich unterbreche. Sage, dass ich sehr neugierig bin, was politisch engagierte Menschen jenseits vom Mainstream heute für Ideen und Meinungen verbreiten. Ich sage, ich würde gerne verstehen, was hinter einem solchen neuen Bretton-Woods oder der BüSo, also der Bürgerrechtsbewegung Solidarität stehe, würde gerne nachvollziehen, wie solche Ideen ihrer Meinung nach politisch durchgesetzt werden könnten, ohne eine dirigistisches oder gar totalitäres System zu installieren.

Die junge Frau wirft mir einen Schwall von finanzpolitischen Fachbegriffen entgegen. Sie sagt, ich müsse ihre Zeitung abonnieren, oder das Buch kaufen, oder spenden, oder meine Adresse auf eine Liste setzen, damit man mich anrufen könne.

All das lehne ich ab. Ich erkläre, dass ich zunächst die Idee kennenlernen müsse, bevor ich Daten oder Geld abliefere. Schließlich stehe bestimmt an der nächsten Ecke ein Tapetentisch mit notleidenden Bankern oder Scientologen. Ich sei halt ein skeptischer Mensch, daher hätte ich schließlich auch keine Derivate. Die Frauen reden nun immer lauter zeitweise gleichzeitig auf mich ein. Eine erklärt mir, wir würden seit langer Zeit in einer wirtschaftlichen Abwärtsspirale leben, es gebe so viele Arbeitslose. Ich antworte ihr, dass früher viel länger für ein Laib Brot gearbeitet werden musste als heute, dass der hiesige Wohlstand recht hoch sei und dass die Zahl der Arbeitslosen schon erheblich höher lag im Laufe unserer Geschichte. Sichtlich ärgert sie sich über Widerspruch.

Was ich denn nun zu tun gedenke, werde ich fordernd gefragt. Ich sage, ich werde im Internet die Vorstellungen und Ziele dieser BüSo nachlesen, denn nur, wenn ich etwas im Kern verstehe und befürworte, gibt’s Geld oder Daten. “Pah!”, reagiert die angefröstelte Frau hämisch. “Sie brauchen wohl so etwas wie ein Second Life!”
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